Making of … Rainy Days Never Stay

Heute gebe ich mal wieder einen Einblick in die Entstehung eines neuen Drucks. Oft empfinde ich den Ablauf als recht unspektakulär, weil die erste Skizze direkt sitzt. Das Übertragen auf die Linoleumplatte, das Schnitzen und das Drucken ist dann im Prinzip nur noch eine Art abarbeiten der erforderlichen Schritte. Das zu dokumentieren erscheint mir eher langweilig denn spannend, also kann ich auch oft nur noch etwas zum fertigen Druck sagen. Bei meinem neuesten Motiv sieht das etwas anders aus.

Die erste extrem schnelle Skizze

Mit dieser kleinen Skizze (etwa 3 x 5 cm) von einem etwas verbogenen Strichmännchen fing alles an. Ich hatte noch keine rechte Vorstellung vom fertigen Druck, es ging mir eher um die Aussage. Die Formfindung fand deswegen ausnahmsweise mal in groß statt.

Im Wandel

Bild 1 ist noch ziemlich nah am Strichmännchen orientiert. Das gefiel mir allerdings gar nicht. Zu rund, zu ausladend, zu theatralisch, nicht flüssig genug. Der Regenschirm wollte noch nicht recht ins Bild passen und wo der Text stehen sollte, wusste ich schon gar nicht.

Auf Bild 2 veränderte ich die Figur in ein etwas zu glückliches, laufendes Mädchen. Der Schirm wollte aber noch immer nicht recht ins Bild passen. Während die Skizze entstand, habe ich übrigens Mikhael Paskalev entdeckt, wie man unschwer an der Notiz am Papierrand erkennen kann. Er ist Norweger (was ihn für mich schon mal grundsätzlich sympathisch macht), tanzt in einem Musikvideo (I Spy) auf eine so charmante und ansteckende Weise und macht Musik, die einfach fröhlich stimmt. Außerdem fiel mir beim Betrachten der neuen Figur eine Lösung für den Text ein. Er sollte, passend zum Thema, wie Regen durch das Bild tröpfeln. Und der Regenschirm musste kleiner werden, um vernünftig im Bild zu sitzen.

In Bild 3 habe ich die Figur kaum verändert, aber immerhin den Regenschirm mit drauf bekommen. Der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung vermittelten meiner Meinung nach aber noch nicht ausreichend die Stimmung des Motivs und der Aussage. Also entstand eine Reihe schneller Skizzen am unteren Bildrand mit dem Ergebnis und der Erkenntnis, dass die zuerst angedachte Körperhaltung (siehe Strichmännchenskizze) doch am ehesten den Text illustriert.

Bild 4 zeigt die fertige Skizze. Der Gesichtsausdruck ist nachdenklich, die Körperhaltung unbeschwert. Es gibt immer wieder graue Tage, aber sie vergehen.

Simulation am Computer

Wie bei fast allen zweifarbigen Drucken, simuliere ich das Endergebnis am Computer. Dazu erstelle ich in Photoshop eine schnelle Kopie des Motivs und probiere verschiedene Farben aus. Grau und bunt in Kombination gefiel mir für die Thematik dieses Drucks am besten, also entschied ich, mal wieder einen Verlauf zu drucken. Hier habe ich schon einmal berichtet, wie das funktioniert.

Der fertige Linoldruck

Das ist der fertige Druck. „Rainy Days Never Stay“.

Der Linoldruck ist natürlich ab sofort in meinem Shop erhältlich.

 

6 Kommentare

  1. Danke fürs zeigen! Wunderschöner Druck. Photoshop zum Simulieren hab ich auch schon gelegentlich verwendet. Schon cool, was man für Möglichkeiten damit hat. Wie lange hast du denn vom Strichmännchen bis zur 4. Skizze gebraucht? Und Mikhael Paskalev war mir bis gerade völlig unbekannt, danke für den Link.

  2. so gut, die einzelnen schritte mitzumachen — und deine gedanken dazu. ja, so sind sie im prozess und irgendwann dann passts. schön ist das.

  3. Danke fürs Zeigen, das ist total spannend zu beobachten, wie aus einem einfachen Strichmännchen ein so tolles Bild wird.
    Hab noch eine wunderbare Woche, liebste Grüße, Eva

  4. hahaha, krass. stimmt, da sind Gesichter. Breitmaulgesichter.

    Abgemach! Ich war noch nie in Düsseldorf. Und dann auch noch ne Linoldruckensession. Ein Traum. 🙂

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