Anleitung: Wie esse ich mich durch Amsterdam?

Ich liebe Amsterdam. Ohne noch eine Sekunde darüber nachzudenken, würde ich sofort dorthin umziehen. Glücklicherweise trennt mich von Amsterdam nur eine zweistündige Auto- oder Bahnfahrt. Um die Ecke quasi. Wie toll ist das denn? Und trotzdem war ich zwei Jahre NICHT in dieser großartigen Stadt. Das ist seltsam, ich weiß. Vor ca. einem Monat war es aber endlich wieder soweit. 4 Tage Amsterdam standen an.

Mein Plan für diesen Trip: Durch die Stadt schlendern, sich treiben lassen, das innere Zentrum meiden und überall dort etwas essen, trinken oder shoppen, wo es mir gefällt. Das ist natürlich nicht unbegrenzt möglich, weil mein Budget leider nicht unbegrenzt ist. Da Amsterdam aber preistechnisch auf einem normalen Großstadt-Level rangiert, ist es zumindest auch nicht ganz unmöglich. Unmöglich ist hingegen, es wirklich durchzuziehen. Es gibt in dieser Stadt einfach zu viele schöne Cafés, hippe Läden und stylishe Restaurants. Einen Versuch ist es aber dennoch wert 😉

Tipp 1. Eine Unterkunft ohne Frühstück buchen. Wieso immer am gleichen Ort eine Mahlzeit einnehmen?

Tipp 2. Vinnies.

Das Vinnies ist mein absolutes Lieblingscafé in Amsterdam. Stylish, aber unaufgeregt. Es ist einfach wie es ist. Der Kaffee ist großartig. Das Frühstück auch. Es gibt pochierte Eier. Dazu auf Wunsch Speck, Avocado, Spinat, Räucherlachs usw., Overnight-Oats, Rührei auf Toast und mehr. Es gibt mittlerweile zwei Vinnies Filialen – ich war aber bisher immer nur auf der Haarlemmerstraat.

Tipp 3. Einen Kaffee trinken wo immer es geht. Oder Tee. Oder einen frischen Saft. In Amsterdam gibt es überall frisch gepresste Säfte und wirklich guten Kaffee. Und das in meistens wunderschönen Räumen.

Tipp 4. Appeltaart im Café Winkel. Angeblich ist es der beste Apfelkuchen der Stadt. Ich habe zwar keinen Vergleich, dieser ist aber wirklich äußerst lecker. Immer warm (ich will nicht wissen, wie viele Appeltaarts hier am Tag über den Tresen gehen), außen knusprig, innen weich, mit oder ohne Schlagsahne. Ich bin kein großer Apfelkuchenfan, deshalb heißt es schon was, wenn ich ihn empfehle. Außerdem mag ich es, wenn der Espresso in kleinen Gläsern statt Tässchen serviert wird. Pluspunkt!

Tipp 5. Abends in eine Kneipe gehen. Es muss nicht unbedingt ein Heineken sein und überhaupt muss natürlich kein Alkohol getrunken werden. Eine typische Amsterdamer Bierstube mal von innen zu sehen, ist aber trotzdem schön. Zum Getränk gibt es hier Bitterballen. Klingt etwas unappetitlich, sind aber einfach nur kleine, herzhafte Häppchen.

Tipp 6. Bakers & Roasters.

Nicht nur ist dieses Café wirklich schön und gemütlich. Nein, es hat auch pochierte Eier auf der Karte. Mein neuer Messwert für ein gutes Frühstück sind pochierte Eier. Ja, ich habe sie spät entdeckt, aber dafür mit umso größerer Inbrunst. Haha. Auf dem Bild oben zu sehen: Eggs Florentine. Zwei pochierte Eier mit gebratenem Spinat und Sauce Hollandaise auf Toast. Nichts für Menschen, die ein süßes Frühstück bevorzugen, aber wirklich köstlich. Außerdem sehr zu empfehlen: Der grüne Saft.

Einer der Besitzer ist Neuseeländer. Das hört man an seinem wundervollen Akzent und das sieht man an der Dekoration und zum Beispiel an der Beschriftung der Toiletten. „Tāne“ und „Wahine“ steht dort auf Maori für „Mann“ und „Frau“ (Keine Angst, auf englisch und niederländisch steht es dort natürlich auch). Das war mein persönliches Highlight, weil es mich so sehr an meinen Aufenthalt in Neuseeland erinnert hat.

Tipp 7. Zwischendurch einen Macaron kaufen und direkt essen.

Tipp 8. „De Laatste Kruimel„.

Das zauberhafteste Café, das ich kenne. Die beiden Fenster zur Straße sind über und über voll mit Kuchen und anderem süßen Gebäck auf der einen und herzhaften Tartes auf der anderen Seite. Die Entscheidung ist nahezu unmöglich! Es gibt dort einfach alles, was gebacken werden kann. Der ganze Laden ist winzig klein. Er bietet maximal 20 Gästen Platz. Man steht oder sitzt immer jemandem im Weg, denn unentwegt zaubert eines der Mädels die dort arbeiten von irgendwo einen Kuchen, ein Tablett mit Keksen, Scones oder einer Quiche her. Aber alles dort ist himmlisch lecker. Zusätzlich zu den 3 Millionen in der Auslage befindlichen Gebäckstücken, gibt es kalte und warme, frisch belegte Sandwiches. Ich habe dort das beste Thunfischsandwich meines Lebens gegessen. Ich werde immer immer immer wieder kommen und zur Not auch eine Stunde auf einen freien Platz warten (wobei das bisher nie nötig war) und hoffe sehr, das „De Laatste Kruimel“ nie nie nie seinen letzten Krümel backt und verkauft.

Tipp 9. Geht ins „de Kas“. Ich habe leider keine Fotos, aber vertraut mir, es ist unglaublich. Konzept, Qualität und Ambiente.

Tipp 10. Probiert auch diese Restaurants/Cafés (von denen ich keine Fotos habe) aus.

Burger Bar. Einer der allerbesten Burger meines Lebens.
Thrill Grill. Auch ein Burgerrestaurant. Unbedingt bestellen: Eine Kugel Vanilleeis mit Espresso.
Patisserie Kuyt. Zauberschöne Törtchen und Kuchen. Leider ist es nicht besonders schön eingerichtet, also den Kuchen besser zum mitnehmen bestellen.
Bazar Amsterdam. Türkisches Restaurant in megacooler, ungewöhnlicher Location. Sehr sehr lecker.
Dr. Blend. Frische Smoothies.
Frietsteeg. Beste Pommes der Stadt.

Gratis Tipp. Restaurants und Cafés meiden die es für nötig halten, Abbildungen ihres Angebots auf die Karte zu drucken.

 

Rundgang

Es ist wieder soweit. Die Kunstsammler aus ganz Deutschland fahren gemeinsam mit großen Bussen zur Kunstakademie in Düsseldorf und schauen sich die jährliche Ausstellung der Studierenden an. Ok. Vermutlich saßen in den großen Bussen nicht die Kunstsammler, sondern eher Schülergruppen. Viele Menschen zieht der Rundgang trotzdem jedes Jahr an. Zu recht. Allein das Gebäude der Kunstakademie ist einen Besuch wert. Die Räume sind fantastisch. Groß und weiß mit Deckenhöhen von 6 oder 7 oder noch mehr Metern und riesigen Sprossenfenstern zum Träumen. Ich würde mir gerne einen der Räume da rausschneiden und als Atelier und Werkstatt nutzen.

Innerhalb der Räume die Kunst. Absolventen stellen ihre Abschlussarbeiten aus, aber auch alle anderen zeigen ihre Werke. In jedem Raum eine neue Welt. So viele Welten, dass einem am Ende der Kopf brummt und die Sinne die weitere Aufnahme von Eindrücken verweigern.

Das eine erschließt sich einem nicht und das andere ist merkwürdig. Wie zum Beispiel die beiden jungen Männer, die durch die Räume streifen, sich nackig ausziehen, um dann die Kleidung des jeweils anderen wieder anzuziehen. Oder auch der tote Oktopus auf einer kleinen Elektroheizung, der einen etwas stechenden Geruch verbreitet. Aber das macht nichts. Im nächsten Raum klopft garantiert die Inspiration wieder an und hinterlässt ein glückliches Lächeln.

Hier ein paar Eindrücke, die nicht im mindesten die vorhandene Vielfalt vermitteln:

 

 

Wer in Düsseldorf oder Umgebung wohnt, sollte unbedingt bis Sonntag noch die Gelegenheit nutzen, den Rundgang zu machen. Er ist übrigens kostenlos.

Berlin, du buntes Biest

Neulich war ich in Berlin. Das erste Mal. Nein, ich war schon vorher in Berlin, aber nie so richtig, immer kurz, immer in Eile. Und jetzt muss ich unbedingt demnächst wieder hin.

Schon sehr lange vor meiner Abreise habe ich den Besuch von drei Läden geplant. Ich habe natürlich noch viele andere Dinge geplant und gemacht, aber diese drei wollte ich unbedingt.

1. Einen Kaffee bei „THE BARN“ trinken.
2. Einen Burger bei „Shiso Burger“ essen.
3. Bücher stöbern und kaufen bei „Do you read me?!“.

Praktischerweise liegen alle drei an der gleichen Kreuzung. Wie gut, dass ich nicht in Berlin wohne. Ich müsste immer wieder zu dieser Kreuzung. Oder direkt dort wohnen. Mein Cappuccino war wirklich gut. Und der Burger lecker. Mein Ruin wäre aber „Do you read me?!“. Der tollste Buchladen mit der besten Auswahl. Zumindest für meine Branche. Jedes zweite Buch hat mich angelacht. Vermutlich könnte ich den ganzen Tag dort verbringen. Ich konnte mich zum Glück beherrschen und habe nur vier Bücher gekauft. Eines möchte ich heute hier zeigen.

Der schönste Kalender der Welt!

Er heißt ganz schlicht 365. Ein Tag. Eine Seite. Eine Zahl. Am Ende gibt es noch Buchstaben.

Das Jahr erlebt einen Farbverlauf von neongelb über neonorange zu neonpink!

Die Farben und das schön weiche Papier machen mich echt fertig. Positiv natürlich.

Zu allem Überfluss ist dieser tolle Kalender auch noch limitiert. Ich bin stolze Besitzerin des 122. Exemplars.

Ich glaube, dieses Jahr ist mir dieses wunderhübsche Buch noch viel zu Schade, um es wirklich als Kalender zu benutzen. Vermutlich werde ich es einfach als Buchkunst aufbewahren. Und regelmäßig über die Seiten streichen. Da aber drei Viertel aller Jahre 365 Tage haben, kann ich mich natürlich jederzeit umentscheiden.

Hat noch jemand etwas für so schöne Druckwerke übrig? Oder bin ich einfach ein bißchen verrückt?

 

Ich bin wie alle. Nur anders.

Manchmal wünschte ich das Leben wäre ein Animationsfilm. Die unterschiedlichsten Charaktere, unförmige Körper, verquere Einstellungen, seltsame Lebensformen und Eigenheiten sind dort immer ganz normal. Keiner fragt nach dem warum. Alle akzeptieren die Andersartigkeit ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Fast schon kafkaesk. Ich wache auf und bin ein Käfer. Das wundert mich und auch die anderen nicht. Ich bin wie alle. Nur anders.

Warum ist das in der realen Welt nicht so? Wieso streben so viele nach Gleichförmigkeit? Und weshalb werden Normbrecher so häufig für das brechen der Norm mit Verachtung gestraft? Ich finde das sehr seltsam. Ich finde das viel seltsamer als eine Nase so groß wie ein Kürbis oder drei Meter lange Beine.

„Ich bin wie alle“ ist ein zweifarbiger Linoldruck. Er ist im Shop erhältlich.

 

 

 

Seifenblasen

Seifenblasen üben eine große Faszination auf mich aus. Scheinbar schwerelos, wabernd, alle Farben der Welt in sich aufnehmend. Ich komme nur sehr schwer an Pustefix vorbei, ohne welches zu kaufen. Und ich arbeite schon recht lange daran, eine Seifenblase auf Papier zu drucken. Als Druckgrafik natürlich, nicht einfach als Foto. Bisher scheitere ich an der Optik. Es soll keine Comicblase werden. Es ist wohl noch ein weiter Weg. Bis dahin schaue ich mir einfach immer wieder das Video dieser Seifenblasenmaschine an. Ein Traum.

Sommergelüste

Mein Lieblingsgetränk ist Wasser. Stilles Wasser. Gerne auch aus der Leitung. Ich finde das sehr praktisch. Ich habe es immer da. Es muss nicht erst die Treppen hochgetragen werden. Es ist günstig. Und in vielen Teilen Deutschlands sogar mineralreicher als abgefülltes Wasser. Allerdings ernte ich oft erschütterte Blicke von Freunden und Verwandten, wenn ich auf die Frage nach meinem Getränkewunsch mit Leitungswasser antworte. „Nein“, sagen sie, „du kriegst doch kein Leitungswasser. Wir haben doch auch…“. Als wäre Leitungswasser was schlechtes. Armselig. Naja. So ist das wohl. Ist auch nicht so wichtig. Und auch gar nicht schlimm.

Ich komme also getränketechnisch ganz locker durch’s Jahr. Nur im Sommer habe ich häufig Lust auf was anderes. Vielleicht weil ich im Sommer öfter mit netten Menschen an schönen Orten Zeit verbringe und dabei etwas trinke. Vielleicht aber auch weil fruchtige Drinks gut zum Sommer passen. Oder einfach nur so. Und dann wundere ich mich, dass es in allen Cafés das gleiche, meist langweilige, Angebot gibt. Cola, Saft und natürlich Saftschorle. Wieso denn bloß? Eistee ist doch so einfach zubereitet und er kann drölfzigfach variiert werden. Selbstgemachte Limonade ist auch ganz easy und sogar günstig hergestellt. Mal ganz abgesehen von ausgefalleneren Kreationen. Also wenn ich ein Café hätte, dann gäbe es eine tolle Getränkeauswahl. Und meinem Servicepersonal würde ich einen brüskierten Blick beibringen, den es einsetzen müsste, wenn jemand eine Cola bestellt. Hehe.

Bis dahin mache ich mir einfach selber tolle Getränke. Zum Beispiel Erdbeer-Limette-Minz-Schorle.

Erdbeer-Limette-Minz-Schorle
100 ml Erdbeersirup
1 – 2 Scheiben Limette
1 Stängel frische Minze
300 ml Mineralwasser

Erdbeersirup in ein großes Glas geben (je nach Konzentration des Sirups, muss die Menge evtl. angepasst werden), ein bis zwei Scheiben einer Limette und ein Stängel frische Minze dazu und mit Mineralwasser aufgießen. Umrühren. Fertig!

Ich habe mir meinen Erdbeersirup selbst gekocht. Aus frischen Erdbeeren, dem Saft zweier Limetten, Zucker, Gelierzucker und Wasser. Allerdings habe ich das einfach so nach Gefühl zusammengemischt. Wer nach einem Rezept für Erdbeersirup googelt, wird aber sicher fündig.

Für die einen ist es Eiderstedt …

… für mich ist es eine Reise in die Vergangenheit. Meine Oma bewohnte 60 Jahre ihres Lebens ein wunderschönes Reetdachhaus auf Eiderstedt. Keine Frage also, dass ich viele Schulferien, Feiertage und Wochenenden an der Nordsee verbrachte.

Eiderstedt gehörte vor vielen 100 Jahren noch nicht zum deutschen Festland. Es bestand aus zwei Inseln und einer Halbinsel und wurde erst vor knapp 1000  Jahren durch natürliche Schlickablagerungen und künstliche Landgewinnung zu der kleinen Halbinsel, die wir heute kennen. Eiderstedt ist flach. So flach, dass man manchmal glaubt, man könne die Erdkrümmung sehen. Zumindest so flach, dass von fast jedem Punkt der Halbinsel ein Deich zu sehen ist. Und Eiderstedt ist ziemlich verlassen. Der größte Ort hat knapp unter 5000 Einwohner. Zwei Orte haben um die 3000 Einwohner und dazwischen ist fast nichts. Hier und da mal eine Ansammlung mehrerer Häuschen. Oder auch ganz einsam gelegene. Und windschiefe Bäume. Sonst nichts. Aber gerade das ist natürlich das tolle an Eiderstedt. Wir waren am Ostermontag bei super Wetter an drei touristisch sehr beliebten Orten und doch hätten wir zu jeder Zeit mit wild fuchtelnden Armen im Kreis laufen können, ohne andere Lebewesen damit zu stören. Gut. Der ein oder andere Mensch hätte sich eventuell doch gestört gefühlt, aber wir hätten ihn nicht vorher aus dem Weg jagen müssen. Und sowieso. Wenn es ihn stört, kann er ja auch gehen.

Wir starteten unsere Tour morgens bei grauem Himmel in Flensburg und fuhren ohne große Umwege direkt nach Westerhever. Denn nicht weit von Westerhever befindet sich Westerheversand. Eiderstedts Wahrzeichen. Und der vermutlich berühmteste Leuchtturm Deutschlands. Direkt am Deich gibt es einen Parkplatz. Von dort sind es dann noch ca. 2,5 Kilometer bis zum Leuchtturm.

Das sind allerdings keine normalen 2,5 Kilometer. Erstens ist es dort meistens sehr windig und zweitens ist es ein Spaziergang durch eine fremde Welt. Gleich hinter’m Deich beginnt nämlich der Nationalpark Wattenmeer und rund um Westerheversand erstreckt sich eine riesige Salzwiese. Eine Salzwiese heißt Salzweise, weil sie regelmäßig vom salzigen Meerwasser überspült wird und deswegen sehr salzhaltig ist. Logisch, dass das nicht jede Pflanze verträgt. Die Vegetation ist also eher fremdartig und hat manchmal lustige Namen. Boddenbinse zum Beispiel.

 

Den Leuchtturm sieht man übrigens schon lange lange bevor man ihn erreicht. Kein Wunder. Er ist schließlich mächtig hoch und drumherum ist alles flach. Und trotzdem sieht er noch so winzig aus.

Mit jedem Schritt klart der Himmel immer weiter auf.

Um genau pünktlich bei unserer Ankunft am Leuchtturm vollends aufzubrechen.

Der alte Stockenstieg (der Weg im Vordergrund) ist eine Abkürzung vom und zum Leuchtturm. Dieser Weg führt direkt durch die Salzwiesen zum Deich und ist nur ca. 1 Kilometer lang. Da die Salzwiesen aber auch Nistgebiet für viele Vögel sind, ist er erst ab August begehbar.

Wer sich an genau der Stelle vom obigen Foto umdreht, sieht übrigens das hier:

Weit und breit nichts. Kein Mensch. Kein Haus. Kein Auto. Kein Baum. Ja, noch nicht einmal ein Schaf. Visuelle Entspannung pur.

Für mich haften an vielen Orten auf Eiderstedt natürlich Kindheitserinnerungen. Westerheversand zum Beispiel habe ich zuletzt mit meiner Oma vor über 20 Jahren besucht. Da war ich noch ganz klein und meine Oma fit genug, um die Strecke zu Fuß zurücklegen zu können. Aber auch wenn ich eventuell sentimental verklärt auf dieses Fleckchen Erde schaue, glaube ich ganz fest, dass sich hier jeder ganz wunderbar entspannen kann. Ich sag’s euch. Eiderstedt!

 

Das Gute ist immer nah

Das tolle daran grenznah zu wohnen, ist die Möglichkeit ‚mal eben‘ in ein anderes Land zu fahren. Ich liebe das. Früher war Dänemark das andere Land. Nun sind es die Niederlande. Innerhalb einer Stunde kann ich die Grenze überqueren. Und sobald das geschieht, verändert sich alles. Der Straßenlauf verändert sich, die Schilder sehen gleich und doch ganz anders aus, Häuser und deren Anordnung sind fremd, es wird eine andere Sprache gesprochen, an der Tankstelle stehe ich staunend vor der Getränkeauslage und kann mich kaum entscheiden, es liegt Abenteuer in der Luft und ich nehme alles viel intensiver wahr. An diesen Tagen wünsche ich mir die alten Währungen zurück. Ich weiß, ich weiß, der Euro ist toll und voll praktisch, aber ich mochte fremdländisches Geld schon als Kind. Ich mochte das Umrechnen bei jedem Teil, das Staunen über den so niedrigen oder so hohen Preis, das Befühlen der anderen Münzen, die bunten Scheine. Ich genieße einen Aufenthalt in den Niederlanden aber auch ohne Gulden. Staune stattdessen über ein komplett schwarzes Haus und frage mich: Wieso gibt es hier keine schwarzen Häuser?

Ich mag die Architektur der Niederländer. Die Kombination von alt und neu. Die unkomplizierte Schlichtheit. Den Mut.

Ausländische Supermärkte sind meine heimliche Leidenschaft. Ich liebe es, fremde Lebensmittel zu kaufen. Geht euch das auch so? In den Niederlanden gibt es zum Beispiel sehr günstige, extrem leckere, frische Säfte. In Glasflaschen. Mit einem schlichten Etikett. Mein Grafikerherz hüpft und springt, wenn es tolle Verpackungen sieht. Und mein Gaumen freut sich mit. Manchmal träume ich von einem Weltsupermarkt. Er ist nicht weit von meinem Haus, nie zu voll und wird von den freundlichsten Menschen geführt. Dort gibt es die niederländischen Säfte, dänische Leberpastete und Makrelensalat, diesen einen Kaffee aus Uruguay (ich werde nie aufhören, an diesen Kaffee zu denken), mit dunkler Schokolade umhülltes Erdbeerlakritz aus Neuseeland (ja ich weiß, das klingt sehr eklig, aber nach dem ersten Stückchen, kann sich keiner mehr wehren.), Backwaren aus Tonga, Orangenlimo mit Lakritzstrohhalm, spanische Chorizo. Natürlich gibt es noch viel mehr Waren im Angebot, aber meistens ist der Traum vorbei, bevor ich daran denken kann. Wenn das kein Grund ist, die Welt weiter zu bereisen …

 

Die Neue

Heute stelle ich euch die neue Mitarbeiterin im Hause Knallbraun vor. Sie hat die letzten Wochen viel meiner Zeit geraubt. Sie ist noch etwas störrisch und will sich nur langsam an ihren neuen Arbeitsplatz und ihre Aufgaben gewöhnen. Sie hat aber keine Wahl, denn ich habe sie gekauft. Sie ist natürlich kein Mensch, sondern eine Maschine. Eine mechanische Maschine. Das schätze ich sehr an ihr. Denn alte mechanische Maschinen sind die einzigen, an denen hellgrüner Hammerschlaglack gut aussieht. Ich meine, kauft ernsthaft noch jemand Hammerschlaglack? Und wenn ja, für welchen Zweck?

Das Gute an mechanischen Mitarbeitern liegt auf der Hand. Sie beschweren sich selten und arbeiten ohne zu jammern die ganze Nacht durch. Das Schlechte daran: Sie ist mechanisch und arbeitet nur, wenn ich auch arbeite. Außerdem kann sie keine Treppen steigen. Das heißt ich muss sie tragen. Zum Glück geht sie selten aus.

Sie ermöglicht mir ganz neue Druckmöglichkeiten. Größere Formate zum Beispiel. Und gleichmäßige Ergebnisse. Ich bin selber sehr gespannt, was unsere Zusammenarbeit hervorbringen wird. Eine neue Technik haben wir schon zusammen ausprobiert. Der nun arbeitslose Esslöffel (ja richtig gelesen, ich habe früher meistens mit einem Esslöffel gedruckt) hätte das nicht hinbekommen. Aber nun schaut euch erstmal die ganzen tollen Schrauben und Verstelldinger an, die meine neue Druckpresse hat. Ein Traum. Ein bißchen liebe ich sie schon…

Super Bagels selbstgemacht

Wahrscheinlich liegt es am Loch. Nüchtern betrachtet ist nämlich ein Bagel auch nur ein Hefebackwerk. Aus irgendeinem Grund üben Bagels aber mehr Faszination auf mich aus, als andere Hefebackwerke. Das ist recht seltsam, denn ich habe in meinem Leben bisher ungefähr 3 Bagels gegessen. Das liegt zum größten Teil daran, dass fast alle Bagels entweder mit einer dicken Schicht Frischkäse oder mit Räucherlachs oder mit beidem belegt werden. Finde ich alles doof. Geschmacklich. Aber vor allem auch konsistenztechnisch. Ich schiebe es also wirklich auf das Loch. Ein Bagel ist Backwerk mit Loch. Das ist irgendwie so seltsam und unnötig, dass es mich verzückt. Ein Stein mit Loch ist ja auch interessanter als ein Stein ohne Loch. Wikipedia sagt übrigens, das Loch beschleunigt den Kochprozess. Hmm. Müssten dann nicht viel mehr Lebensmittel Löcher haben? Das allein ist doch nicht der Grund. Das ist erfunden. Oder eine Lüge. Oder auch beides.

Nun ja.

Meine Bagelfaszination trieb mich dazu, mir selber welche zu backen und sie so zu belegen, wie es mir passt. Und es hat sich gelohnt.

Super Bagels:
500 g Mehl
250 ml warmes Wasser
2 Päckchen Trockenhefe
1 TL Zucker
50 g Butter
Salz
1 Eigelb (zum bestreichen)

Mehl. Wasser, Hefe, Zucker, Butter und ein Teelöffel Salz zu einem glatten Teig kneten und zugedeckt an einem warmen Ort etwa eine Stunde gehen lassen.
In einem großen Topf reichlich Salzwasser zum Kochen bringen. Kugeln aus dem Teig drehen, flach drücken und mit dem Zeigefinger ein Loch bohren (das ist der beste Teil). Die Teigringe nun portionsweise, je nach Größe des Topfes, im Wasser ziehen lassen. Sie gehen durch die Hitze des Wassers auf. Nach 1 – 2 Minuten herausheben, abtropfen und auf ein mit Backpapier ausgelegtes Backblech legen. Das Eigelb mit einem Esslöfel Wasser verquirlen, die Bagels damit bestreichen und nach Belieben mit Sesam, Nüssen, Haferflocken etc. bestreuen. Im vorgeheizten Backofen bei 200° goldbraun backen, etwas abkühlen lassen, lecker belegen und genießen.

Bagel Monte Carlo
Serrano Schinken, Mozzarella und Pesto alla Genovese

Bagel Amsterdam
Bacon (kross gebraten), Brie, Honig, Pekannüsse und Kresse