Kategorie: Unterwegs

Anleitung: Wie esse ich mich durch Amsterdam?

Ich liebe Amsterdam. Ohne noch eine Sekunde darüber nachzudenken, würde ich sofort dorthin umziehen. Glücklicherweise trennt mich von Amsterdam nur eine zweistündige Auto- oder Bahnfahrt. Um die Ecke quasi. Wie toll ist das denn? Und trotzdem war ich zwei Jahre NICHT in dieser großartigen Stadt. Das ist seltsam, ich weiß. Vor ca. einem Monat war es aber endlich wieder soweit. 4 Tage Amsterdam standen an.

Mein Plan für diesen Trip: Durch die Stadt schlendern, sich treiben lassen, das innere Zentrum meiden und überall dort etwas essen, trinken oder shoppen, wo es mir gefällt. Das ist natürlich nicht unbegrenzt möglich, weil mein Budget leider nicht unbegrenzt ist. Da Amsterdam aber preistechnisch auf einem normalen Großstadt-Level rangiert, ist es zumindest auch nicht ganz unmöglich. Unmöglich ist hingegen, es wirklich durchzuziehen. Es gibt in dieser Stadt einfach zu viele schöne Cafés, hippe Läden und stylishe Restaurants. Einen Versuch ist es aber dennoch wert 😉

Tipp 1. Eine Unterkunft ohne Frühstück buchen. Wieso immer am gleichen Ort eine Mahlzeit einnehmen?

Tipp 2. Vinnies.

Das Vinnies ist mein absolutes Lieblingscafé in Amsterdam. Stylish, aber unaufgeregt. Es ist einfach wie es ist. Der Kaffee ist großartig. Das Frühstück auch. Es gibt pochierte Eier. Dazu auf Wunsch Speck, Avocado, Spinat, Räucherlachs usw., Overnight-Oats, Rührei auf Toast und mehr. Es gibt mittlerweile zwei Vinnies Filialen – ich war aber bisher immer nur auf der Haarlemmerstraat.

Tipp 3. Einen Kaffee trinken wo immer es geht. Oder Tee. Oder einen frischen Saft. In Amsterdam gibt es überall frisch gepresste Säfte und wirklich guten Kaffee. Und das in meistens wunderschönen Räumen.

Tipp 4. Appeltaart im Café Winkel. Angeblich ist es der beste Apfelkuchen der Stadt. Ich habe zwar keinen Vergleich, dieser ist aber wirklich äußerst lecker. Immer warm (ich will nicht wissen, wie viele Appeltaarts hier am Tag über den Tresen gehen), außen knusprig, innen weich, mit oder ohne Schlagsahne. Ich bin kein großer Apfelkuchenfan, deshalb heißt es schon was, wenn ich ihn empfehle. Außerdem mag ich es, wenn der Espresso in kleinen Gläsern statt Tässchen serviert wird. Pluspunkt!

Tipp 5. Abends in eine Kneipe gehen. Es muss nicht unbedingt ein Heineken sein und überhaupt muss natürlich kein Alkohol getrunken werden. Eine typische Amsterdamer Bierstube mal von innen zu sehen, ist aber trotzdem schön. Zum Getränk gibt es hier Bitterballen. Klingt etwas unappetitlich, sind aber einfach nur kleine, herzhafte Häppchen.

Tipp 6. Bakers & Roasters.

Nicht nur ist dieses Café wirklich schön und gemütlich. Nein, es hat auch pochierte Eier auf der Karte. Mein neuer Messwert für ein gutes Frühstück sind pochierte Eier. Ja, ich habe sie spät entdeckt, aber dafür mit umso größerer Inbrunst. Haha. Auf dem Bild oben zu sehen: Eggs Florentine. Zwei pochierte Eier mit gebratenem Spinat und Sauce Hollandaise auf Toast. Nichts für Menschen, die ein süßes Frühstück bevorzugen, aber wirklich köstlich. Außerdem sehr zu empfehlen: Der grüne Saft.

Einer der Besitzer ist Neuseeländer. Das hört man an seinem wundervollen Akzent und das sieht man an der Dekoration und zum Beispiel an der Beschriftung der Toiletten. „Tāne“ und „Wahine“ steht dort auf Maori für „Mann“ und „Frau“ (Keine Angst, auf englisch und niederländisch steht es dort natürlich auch). Das war mein persönliches Highlight, weil es mich so sehr an meinen Aufenthalt in Neuseeland erinnert hat.

Tipp 7. Zwischendurch einen Macaron kaufen und direkt essen.

Tipp 8. „De Laatste Kruimel„.

Das zauberhafteste Café, das ich kenne. Die beiden Fenster zur Straße sind über und über voll mit Kuchen und anderem süßen Gebäck auf der einen und herzhaften Tartes auf der anderen Seite. Die Entscheidung ist nahezu unmöglich! Es gibt dort einfach alles, was gebacken werden kann. Der ganze Laden ist winzig klein. Er bietet maximal 20 Gästen Platz. Man steht oder sitzt immer jemandem im Weg, denn unentwegt zaubert eines der Mädels die dort arbeiten von irgendwo einen Kuchen, ein Tablett mit Keksen, Scones oder einer Quiche her. Aber alles dort ist himmlisch lecker. Zusätzlich zu den 3 Millionen in der Auslage befindlichen Gebäckstücken, gibt es kalte und warme, frisch belegte Sandwiches. Ich habe dort das beste Thunfischsandwich meines Lebens gegessen. Ich werde immer immer immer wieder kommen und zur Not auch eine Stunde auf einen freien Platz warten (wobei das bisher nie nötig war) und hoffe sehr, das „De Laatste Kruimel“ nie nie nie seinen letzten Krümel backt und verkauft.

Tipp 9. Geht ins „de Kas“. Ich habe leider keine Fotos, aber vertraut mir, es ist unglaublich. Konzept, Qualität und Ambiente.

Tipp 10. Probiert auch diese Restaurants/Cafés (von denen ich keine Fotos habe) aus.

Burger Bar. Einer der allerbesten Burger meines Lebens.
Thrill Grill. Auch ein Burgerrestaurant. Unbedingt bestellen: Eine Kugel Vanilleeis mit Espresso.
Patisserie Kuyt. Zauberschöne Törtchen und Kuchen. Leider ist es nicht besonders schön eingerichtet, also den Kuchen besser zum mitnehmen bestellen.
Bazar Amsterdam. Türkisches Restaurant in megacooler, ungewöhnlicher Location. Sehr sehr lecker.
Dr. Blend. Frische Smoothies.
Frietsteeg. Beste Pommes der Stadt.

Gratis Tipp. Restaurants und Cafés meiden die es für nötig halten, Abbildungen ihres Angebots auf die Karte zu drucken.

 

Berlin, du buntes Biest

Neulich war ich in Berlin. Das erste Mal. Nein, ich war schon vorher in Berlin, aber nie so richtig, immer kurz, immer in Eile. Und jetzt muss ich unbedingt demnächst wieder hin.

Schon sehr lange vor meiner Abreise habe ich den Besuch von drei Läden geplant. Ich habe natürlich noch viele andere Dinge geplant und gemacht, aber diese drei wollte ich unbedingt.

1. Einen Kaffee bei „THE BARN“ trinken.
2. Einen Burger bei „Shiso Burger“ essen.
3. Bücher stöbern und kaufen bei „Do you read me?!“.

Praktischerweise liegen alle drei an der gleichen Kreuzung. Wie gut, dass ich nicht in Berlin wohne. Ich müsste immer wieder zu dieser Kreuzung. Oder direkt dort wohnen. Mein Cappuccino war wirklich gut. Und der Burger lecker. Mein Ruin wäre aber „Do you read me?!“. Der tollste Buchladen mit der besten Auswahl. Zumindest für meine Branche. Jedes zweite Buch hat mich angelacht. Vermutlich könnte ich den ganzen Tag dort verbringen. Ich konnte mich zum Glück beherrschen und habe nur vier Bücher gekauft. Eines möchte ich heute hier zeigen.

Der schönste Kalender der Welt!

Er heißt ganz schlicht 365. Ein Tag. Eine Seite. Eine Zahl. Am Ende gibt es noch Buchstaben.

Das Jahr erlebt einen Farbverlauf von neongelb über neonorange zu neonpink!

Die Farben und das schön weiche Papier machen mich echt fertig. Positiv natürlich.

Zu allem Überfluss ist dieser tolle Kalender auch noch limitiert. Ich bin stolze Besitzerin des 122. Exemplars.

Ich glaube, dieses Jahr ist mir dieses wunderhübsche Buch noch viel zu Schade, um es wirklich als Kalender zu benutzen. Vermutlich werde ich es einfach als Buchkunst aufbewahren. Und regelmäßig über die Seiten streichen. Da aber drei Viertel aller Jahre 365 Tage haben, kann ich mich natürlich jederzeit umentscheiden.

Hat noch jemand etwas für so schöne Druckwerke übrig? Oder bin ich einfach ein bißchen verrückt?

 

Für die einen ist es Eiderstedt …

… für mich ist es eine Reise in die Vergangenheit. Meine Oma bewohnte 60 Jahre ihres Lebens ein wunderschönes Reetdachhaus auf Eiderstedt. Keine Frage also, dass ich viele Schulferien, Feiertage und Wochenenden an der Nordsee verbrachte.

Eiderstedt gehörte vor vielen 100 Jahren noch nicht zum deutschen Festland. Es bestand aus zwei Inseln und einer Halbinsel und wurde erst vor knapp 1000  Jahren durch natürliche Schlickablagerungen und künstliche Landgewinnung zu der kleinen Halbinsel, die wir heute kennen. Eiderstedt ist flach. So flach, dass man manchmal glaubt, man könne die Erdkrümmung sehen. Zumindest so flach, dass von fast jedem Punkt der Halbinsel ein Deich zu sehen ist. Und Eiderstedt ist ziemlich verlassen. Der größte Ort hat knapp unter 5000 Einwohner. Zwei Orte haben um die 3000 Einwohner und dazwischen ist fast nichts. Hier und da mal eine Ansammlung mehrerer Häuschen. Oder auch ganz einsam gelegene. Und windschiefe Bäume. Sonst nichts. Aber gerade das ist natürlich das tolle an Eiderstedt. Wir waren am Ostermontag bei super Wetter an drei touristisch sehr beliebten Orten und doch hätten wir zu jeder Zeit mit wild fuchtelnden Armen im Kreis laufen können, ohne andere Lebewesen damit zu stören. Gut. Der ein oder andere Mensch hätte sich eventuell doch gestört gefühlt, aber wir hätten ihn nicht vorher aus dem Weg jagen müssen. Und sowieso. Wenn es ihn stört, kann er ja auch gehen.

Wir starteten unsere Tour morgens bei grauem Himmel in Flensburg und fuhren ohne große Umwege direkt nach Westerhever. Denn nicht weit von Westerhever befindet sich Westerheversand. Eiderstedts Wahrzeichen. Und der vermutlich berühmteste Leuchtturm Deutschlands. Direkt am Deich gibt es einen Parkplatz. Von dort sind es dann noch ca. 2,5 Kilometer bis zum Leuchtturm.

Das sind allerdings keine normalen 2,5 Kilometer. Erstens ist es dort meistens sehr windig und zweitens ist es ein Spaziergang durch eine fremde Welt. Gleich hinter’m Deich beginnt nämlich der Nationalpark Wattenmeer und rund um Westerheversand erstreckt sich eine riesige Salzwiese. Eine Salzwiese heißt Salzweise, weil sie regelmäßig vom salzigen Meerwasser überspült wird und deswegen sehr salzhaltig ist. Logisch, dass das nicht jede Pflanze verträgt. Die Vegetation ist also eher fremdartig und hat manchmal lustige Namen. Boddenbinse zum Beispiel.

 

Den Leuchtturm sieht man übrigens schon lange lange bevor man ihn erreicht. Kein Wunder. Er ist schließlich mächtig hoch und drumherum ist alles flach. Und trotzdem sieht er noch so winzig aus.

Mit jedem Schritt klart der Himmel immer weiter auf.

Um genau pünktlich bei unserer Ankunft am Leuchtturm vollends aufzubrechen.

Der alte Stockenstieg (der Weg im Vordergrund) ist eine Abkürzung vom und zum Leuchtturm. Dieser Weg führt direkt durch die Salzwiesen zum Deich und ist nur ca. 1 Kilometer lang. Da die Salzwiesen aber auch Nistgebiet für viele Vögel sind, ist er erst ab August begehbar.

Wer sich an genau der Stelle vom obigen Foto umdreht, sieht übrigens das hier:

Weit und breit nichts. Kein Mensch. Kein Haus. Kein Auto. Kein Baum. Ja, noch nicht einmal ein Schaf. Visuelle Entspannung pur.

Für mich haften an vielen Orten auf Eiderstedt natürlich Kindheitserinnerungen. Westerheversand zum Beispiel habe ich zuletzt mit meiner Oma vor über 20 Jahren besucht. Da war ich noch ganz klein und meine Oma fit genug, um die Strecke zu Fuß zurücklegen zu können. Aber auch wenn ich eventuell sentimental verklärt auf dieses Fleckchen Erde schaue, glaube ich ganz fest, dass sich hier jeder ganz wunderbar entspannen kann. Ich sag’s euch. Eiderstedt!

 

Das Gute ist immer nah

Das tolle daran grenznah zu wohnen, ist die Möglichkeit ‚mal eben‘ in ein anderes Land zu fahren. Ich liebe das. Früher war Dänemark das andere Land. Nun sind es die Niederlande. Innerhalb einer Stunde kann ich die Grenze überqueren. Und sobald das geschieht, verändert sich alles. Der Straßenlauf verändert sich, die Schilder sehen gleich und doch ganz anders aus, Häuser und deren Anordnung sind fremd, es wird eine andere Sprache gesprochen, an der Tankstelle stehe ich staunend vor der Getränkeauslage und kann mich kaum entscheiden, es liegt Abenteuer in der Luft und ich nehme alles viel intensiver wahr. An diesen Tagen wünsche ich mir die alten Währungen zurück. Ich weiß, ich weiß, der Euro ist toll und voll praktisch, aber ich mochte fremdländisches Geld schon als Kind. Ich mochte das Umrechnen bei jedem Teil, das Staunen über den so niedrigen oder so hohen Preis, das Befühlen der anderen Münzen, die bunten Scheine. Ich genieße einen Aufenthalt in den Niederlanden aber auch ohne Gulden. Staune stattdessen über ein komplett schwarzes Haus uns frage mich: Wieso gibt es hier keine schwarzen Häuser?

Ich mag die Architektur der Niederländer. Die Kombination von alt und neu. Die unkomplizierte Schlichtheit. Den Mut.

Ausländische Supermärkte sind meine heimliche Leidenschaft. Ich liebe es, fremde Lebensmittel zu kaufen. Geht euch das auch so? In den Niederlanden gibt es zum Beispiel sehr günstige, extrem leckere, frische Säfte. In Glasflaschen. Mit einem schlichten Etikett. Mein Grafikerherz hüpft und springt, wenn es tolle Verpackungen sieht. Und mein Gaumen freut sich mit. Manchmal träume ich von einem Weltsupermarkt. Er ist nicht weit von meinem Haus, nie zu voll und wird von den freundlichsten Menschen geführt. Dort gibt es die niederländischen Säfte, dänische Leberpastete, diesen einen Kaffee aus Uruguay (ich werde nie aufhören, an diesen Kaffee zu denken), mit dunkler Schokolade umhülltes Erdbeerlakritz aus Neuseeland (ja ich weiß, das klingt sehr ekelig, aber nach dem ersten Stückchen, kann sich keiner mehr wehren.), Backwaren aus Tonga, Orangenlimo mit Lakritzstrohhalm, spanische Chorizo. Natürlich gibt es noch viel mehr Waren im Angebot, aber meistens ist der Traum vorbei, bevor ich daran denken kann. Wenn das kein Grund ist, die Welt weiter zu bereisen …

 

Meine Welt besteht aus Atomen

Das vergangene Wochenende verbrachte ich in Brüssel. Hauptsächlich geschäftlich, denn ich war anlässlich einer Hoteleröffnung zu einem Designmarkt eingeladen und durfte ein ganzes Zimmer in ein knallbraunes Wunderland verwandeln. Ein multilinguales Wunderland. Bonjour, goedendag, hello. In Brüssel weiß man nie, was einen erwartet. Nicht nur sprachlich, sondern insbesondere auch verkehrstechnisch. Die Stadt ist ein einziges Chaos. Aaaah! Nichtsdestotrotz stürzten wir uns mitten hinein. Aber was tun in Brüssel? Ja… Was tun in Brüssel?

Schokolade, Waffeln und Pommes fallen mir beim Stichwort Belgien als erstes ein. Kulinarisch steht der Plan also ziemlich schnell. Aufgrund nicht auffindbarer Informationen zu besonderen Stadtteilen und alternativer Freizeitgestaltung entscheiden wir uns für die drei Brüsselklassiker. Grand Place, Manneken Pis und Atomium. Wahrzeichen sind ja meistens nicht ganz ohne Grund zu Wahrzeichen geworden.

Der Grand Place ist ein tatsächlich ziemlich großer Platz / Markt mit unglaublich schönen, reich mit Gold verzierten, barocken Häusern auf drei Seiten und dem gotischen Rathaus auf der vierten. Um den Platz herum liegt die Altstadt. Die engen Gassen sind, trotz der echt hübschen alten Häuschen mit tausend französischen Balkonen irgendwie schmuddelig, die vielen Restaurants und Cafés wenig einladend, die Geschäfte überteuert. Schade.

Nach einem Spaziergang durch die Gassen der Altstadt machen wir uns auf den Weg zum Manneken Pis. Er ist nur ca. 100 Meter vom Grand Place entfernt. Ganz unscheinbar in der Ecke einer Kreuzung steht er. Im Hinterkopf habe ich Aussagen, er sei viel kleiner als man denkt, rechne aber doch irgendwie mit einer Brunnenfigur in Kleinkindgröße. Stattdessen erreicht er gerade einmal Säuglingsgröße. Witzig. Es tummeln sich etwa 100 Menschen mit uns auf dieser Kreuzung, machen Fotos von sich und dem Männchen und bezahlen für die Schokolade in den direkt angrenzenden Schokogeschäften viel zu viel.

Viel besser als das Manneken Pis hat mir die Street Art Version schräg über dem Brunnen gefallen. Alien Pis.

Wir schlendern noch ein wenig durch die Gassen, entdecken ein paar vielversprechende Läden, die von innen doch nicht viel hergeben und finden schließlich ein schönes Café. Von dort machen wir uns auf den Weg zum Atomium. „The best map ever made by human beings“, so der nette Herr in der Tourist-Info, spart ein wenig mit Infos (immerhin kostet sie nur 50 Cent) und so fahren wir einfach der Nase nach Richtung Norden. Wir werden es schon finden, denken wir. Und so ist es auch. Ein planloser Weg Richtung Norden, mit einer sehr chaotischen Straßenführung, führt uns wie durch ein Wunder direkt zum Atomium. Im Hinterkopf habe ich Aussagen, es sei viel größer als man denkt, rechne aber doch irgendwie mit einem kleineren Bauwerk. Wow!

Wir bezahlen artig 11 Euro Eintritt und starten die Begehung mit einer Aufzugfahrt durch die mittlere Röhre bis zur obersten Kugel auf 92 Meter Höhe. Die Panoramaebene. Öhm. Also Panorama im Sinne von Rundumblick wird erfüllt. Besonders hübsch ist der Anblick von da oben allerdings nicht. Das Atomium liegt am nördlichen Stadtrand Brüssels und der Ausblick auf die Stadt ist irgendwie nicht so richtig spektakulär. Das Gebäude aber dafür umso mehr. Von der obersten Kugel fährt man mit dem selben Aufzug wieder in die unterste Kugel und kann von dort einen Rundgang durch eine Ausstellung in 4 der Kugeln machen. Toll toll toll!

Die Geschichte des Atomiums wird dort erklärt und bebildert. Die ersten Entwürfe sind zu sehen. Und Zeichnungen vom fertig geplanten Atomium. Total die 50er. So schön!

Was mich allerdings wirklich beeindruckt, ist der Gang durch die Röhren und Kugeln. Ein Gebäude dieser Art begeht man nicht alle Tage. Das ist ziemlich besonders. Und solche Treppen gibt es übrigens auch viel zu selten. Die Farbkombi und dieses total atomiummäßige Geländer! Hach.

Das Atomium ist total spacig und trotzdem irgendwie abgewrackt. Das meine ich nicht negativ. Die Mischung ist genial. Einerseits hat es diese irre Form, von außen silbrig verspiegelt und andererseits hat man innen die rohe Optik mit vielen sichtbaren Kabeln, Rohren, Schächten, Schrauben usw. Die einzigen Fenster sind kleine runde Gucklöcher, durch die man immer wieder die anderen Kugeln sehen kann. Eine Röhre leuchtet beim hinabfahren mit einer Rolltreppe rot und blau. Wenn Marijke Amado damals von der Zauberkugel sprach, hatte sie garantiert diese Rolltreppe im Atomium vor Augen. Ich liebe das Atomium!

Sehr geschwächt vom vielen treppauf-treppab musste noch eine Portion Pommes her. Im Atomium gab es keine, also beschlossen wir noch einmal einfach unserer Nase zu folgen. Und wir hatten Glück. Für 2,50 bekamen wir eine gigantisch große Tüte fettige, aber oberst leckere, Pommes. Und zwar aus einem Imbiss namens „FRITOMIUM“. Das waren die besten Pommes meines Lebens. Mag sein, dass meine Meinung über diese Pommes von der sehr akuten Atomiumliebe geprägt wurde, aber das ist mir egal!

Brüssel hat mich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Die Stadt ist dreckig, chaotisch, laut und an den meisten Ecken auch nicht besonders schön. Das Atomium reißt aber alles wieder raus. Hat jemand ähnliche Erfahrungen mit Brüssel? Oder gänzlich andere? Gibt es Geheimtipps?

 

 

 

 

Es war das erste Mal

Ich bin keine große Zeichnerin. War ich noch nie. Ich zeichne zwar jeden Tag, aber dabei entsteht nichts, was allgemein als Zeichnung durchgehen würde. Besonders schön oder gar für außenstehende verständlich sind diese Zeichnungen erst recht nicht. Häufig zeichne ich eine kleine Sache immer und immer wieder auf irgendein gerade greifbares Papier. Oft ist das ein alter Briefumschlag oder die Rückseite einer Rechnung, manchmal auch Unterlagen, die eigentlich nicht hätten bekritzelt werden sollen. Darauf tummeln sich dann allerdings nach einiger Zeit nicht nur diese immer wiederkehrenden kleinen Zeichnungen, sondern auch Telefonnummern, Adressen, To-Do-Listen, Termine, usw. Das sind also keine ansehnlichen Skizzenzettel, die ich da produziere. Ich bin die totale Skizzenchaotin. Manchmal zeichne ich auch ohne es richtig merken. Um meine Gedanken zu ordnen oder während ich denke. Ich zeichne allerdings nie in der Öffentlichkeit. Ich lasse mir beim Zeichnen nicht gern zuschauen. Mir sind meine Zeichnungen machmal fast peinlich. Ich habe oft das Gefühl sie und auch mich erklären zu müssen, wenn jemand sie anschaut. Deswegen zeige eigentlich niemandem meine Zeichnungen.

Aber dann kaufte die gute Isabell vom Blog fundschau eine Grafik bei mir und fragte: „Hey, hast du nicht Lust für meine Rubrik „Ein Blick in die Skizzenbücher von …“ deine Skizzenbücher zu zeigen?“ Weil ich ihr Blog und besonders diese Rubrik so mag, sagte ich: „Ja, ja, ja!“ Erst danach wurden mir wieder all die oben genannten Dinge bewusst. Wer also die einmalige Gelegenheit nutzen will, einen (zugegeben sehr kleinen – ich bin ja nicht wahnsinnig) Teil meines Inneren zu erkunden, der sollte schnellstmöglich HIER klicken.

Eine kurze Auszeit

Vor zwei Wochen wurde ich vom HKX durch massive Billigpreise zum Urlaub in meiner alten Heimat im Norden gezwungen. Es gibt schlimmeres, würde ich behaupten. Flensburg ist aber nicht nur für ehemalige Einheimische, sondern für jeden eine Reise wert. Erstens ist Flensburg schon an sich sehr pittoresk und trotz der geringen Größe auch sehr belebt und zweitens ist Flensburg der ideale Ausgangspunkt für Tagestrips und Ausflüge ins Umland.

Ein absolutes Muss jeder meiner Flensburg-Besuche ist zum Beispiel ein Trip jenseits der Grenze nach Sønderhav in Dänemark. Ein Ort dem vermutlich niemand je Beachtung geschenkt hätte, wäre da nicht Annies Kiosk. Annie macht seit Jahrzehnten die besten Hotdogs weit und breit. Und als wäre das nicht schon genug, ist die kleine Bude total ideal direkt gegenüber der Ochseninseln an der Flensburger Förde gelegen. Traumhaft. Ein Beweisfoto vom vertilgten Hotdog kann ich allerdings leider nicht liefern. So ein weltbestes Hotdog hält sich nie lang.

Einen der schönsten Tage habe ich in Bockholmwik am Strand verbracht. Gemessen am Traumstrandfaktor ist es vielleicht kein besonders schöner Strand. Dafür aber selbst an sehr sonnigen Tagen nicht überfüllt und absolut naturbelassen. Sogar eine 9-köpfige Schwanenfamilie fühlte sich dort wohl. Ach könnte doch jeder Tag ein Super-Sommer-Urlaubstag sein. -sagte sie und schaute auf dicke Regentropfen zum Fenster hinaus.

 

Das war japanisch

Gestern war zum 12. Mal der Japan-Tag in Düsseldorf. Ein riesen Spektakel zu dem alljährlich ca. eine Million (!) Besucher erwartet werden. Keine Frage, da musste ich auch hin. Ich mache mir nicht viel aus großen Festen, aber ich habe mir dieses Fest wirklich toll vorgestellt, denn ich mag die japanische Kultur. Kirschblüten, Origami, Kalligrafie, bunte Muster, Kitsch, Samurai, Ninjas, Geishas, Mangas, Computerspiele, Technik usw. Einem fällt doch direkt soviel typisch japanisches ein. Es hätte ein buntes Erlebnis sein können. Aber wie sah die Veranstaltung größtenteils aus? Eine lange Reihe weißer Pavillons am Rheinufer, in denen überwiegend billig produzierter Kitsch verkauft wurde. Yay! Keine Deko, keine Musik, kein Flair. Echt schade.

Ein Highlight gab es dennoch. Der Kalligrafie-Pavillon. Jeder durfte sich bis zu 2 Worte wünschen, die dann von einer der freundlichen japanischen Damen kalligrafiert wurden. Wunderschön. Überwiegend wurden natürlich Worte wie Liebe, Glück, Leben, Hoffnung, Gesundheit oder der eigene Name gewünscht. Ich wollte „Knallbraun“. Oh je. Damit habe ich die arme Dame völlig aus dem Konzept gebracht. Natürlich gab es kein japanisches Zeichen dafür. Sie überlegte hin und her, schlug in einem Wörterbuch nach, fragte all ihre Kolleginnen, es wurde diskutiert und beraten und schließlich fing sie zu schreiben an. Da hätte ich gern stundenlang zugeschaut. Am Ende hat sie ihr Schreibwerk sogar mit einem Signierstempel signiert.

Ist jemand des japanischen mächtig und kann mir sagen, was nun auf meinem Blatt steht? Der Google Translator spuckt bei Knallbraun etwas anderes aus. Egal. Es ist großartig.