Schlagwort: Kunst

Rundgang

Es ist wieder soweit. Die Kunstsammler aus ganz Deutschland fahren gemeinsam mit großen Bussen zur Kunstakademie in Düsseldorf und schauen sich die jährliche Ausstellung der Studierenden an. Ok. Vermutlich saßen in den großen Bussen nicht die Kunstsammler, sondern eher Schülergruppen. Viele Menschen zieht der Rundgang trotzdem jedes Jahr an. Zu recht. Allein das Gebäude der Kunstakademie ist einen Besuch wert. Die Räume sind fantastisch. Groß und weiß mit Deckenhöhen von 6 oder 7 oder noch mehr Metern und riesigen Sprossenfenstern zum Träumen. Ich würde mir gerne einen der Räume da rausschneiden und als Atelier und Werkstatt nutzen.

Innerhalb der Räume die Kunst. Absolventen stellen ihre Abschlussarbeiten aus, aber auch alle anderen zeigen ihre Werke. In jedem Raum eine neue Welt. So viele Welten, dass einem am Ende der Kopf brummt und die Sinne die weitere Aufnahme von Eindrücken verweigern.

Das eine erschließt sich einem nicht und das andere ist merkwürdig. Wie zum Beispiel die beiden jungen Männer, die durch die Räume streifen, sich nackig ausziehen, um dann die Kleidung des jeweils anderen wieder anzuziehen. Oder auch der tote Oktopus auf einer kleinen Elektroheizung, der einen etwas stechenden Geruch verbreitet. Aber das macht nichts. Im nächsten Raum klopft garantiert die Inspiration wieder an und hinterlässt ein glückliches Lächeln.

Hier ein paar Eindrücke, die nicht im mindesten die vorhandene Vielfalt vermitteln:

 

 

Wer in Düsseldorf oder Umgebung wohnt, sollte unbedingt bis Sonntag noch die Gelegenheit nutzen, den Rundgang zu machen. Er ist übrigens kostenlos.

Ich bin wie alle. Nur anders.

Manchmal wünschte ich das Leben wäre ein Animationsfilm. Die unterschiedlichsten Charaktere, unförmige Körper, verquere Einstellungen, seltsame Lebensformen und Eigenheiten sind dort immer ganz normal. Keiner fragt nach dem warum. Alle akzeptieren die Andersartigkeit ohne sie überhaupt wahrzunehmen. Fast schon kafkaesk. Ich wache auf und bin ein Käfer. Das wundert mich und auch die anderen nicht. Ich bin wie alle. Nur anders.

Warum ist das in der realen Welt nicht so? Wieso streben so viele nach Gleichförmigkeit? Und weshalb werden Normbrecher so häufig für das brechen der Norm mit Verachtung gestraft? Ich finde das sehr seltsam. Ich finde das viel seltsamer als eine Nase so groß wie ein Kürbis oder drei Meter lange Beine.

“Ich bin wie alle” ist ein zweifarbiger Linoldruck. Er ist im Shop erhältlich.

 

 

 

Die Kunst, überall Haare zu finden

Haare sind etwas ganz merkwürdiges. Sie gehören zum Menschen, dienen als Schutz, sind ein Schönheitsideal, können Ekel und Entzückung auslösen. Haare im Essen kann keiner leiden. Haare am Rücken wohl auch eher wenige. Viele Haare gelten auf dem Kopf als erstrebenswert. Viele Haare an anderen Körperstellen als störend. Während täglich kiloweise Haare entfernt werden, kämpfen gleichzeitig Millionen darum ihre noch wenigen Haare zu erhalten. Mit verschiedenen Haarfarben assoziieren wir verschiedene Eigenschaften. Deshalb färben sich besonders Frauen schon seit der Antike die Haare. Die Frisur spiegelt ein Stück Persönlichkeit wider. Nach einschneidenden Lebensereignissen ändern viele auch ihre Frisur maßgeblich. Früher war es eine entwürdigende Strafe, Frauen die Haare abzuschneiden. In einigen Kulturen ist es auch heute normal, der Braut noch am Hochzeitstag die langen Haare zu nehmen.

Ich erinnere mich noch genau an eine Situation aus meiner Kindheit. Ich stand an einer kleinen Kreuzung und wartete auf eine Freundin, als eine alte Dame zielstrebig auf mich zulief und begann meine Haare anzufassen. Ich fand das sehr befremdlich, war aber noch zu sehr Kind, um ihr das zu sagen. Sie hörte nicht auf meine langen Haare zu streicheln und mir eindringlich zu vermitteln, dass ich mir auf gar keinen Fall je die Haare abschneiden lassen sollte. Ihre Augen waren feucht und sie konnte sich kaum trennen. So etwas können Haare.

Logisch, dass auch in der Kunst das Haar immer wieder behandelt wurde. Nur hat sich bisher scheinbar nie jemand Gedanken darum gemacht, dies als Thema für eine Ausstellung zu verwenden. Die Ausstellung “Hair! Das Haar in der Kunst” in der Ludwiggalerie im Schloss Oberhausen ändert diesen Umstand. Ich habe die Ausstellung schon vor einigen Wochen besucht, allerdings einen Bericht darüber gescheut, weil meine Fotos aufgrund einer verheerenden Kombination von schlechtem Licht und verkratztem Objektiv leider unbrauchbar sind. Da die Ausstellung aber nur noch bis zum 12. Januar läuft und ich sie doch absolut empfehlen kann, denke ich mir: Fotos von Kunst ersetzen die Kunst sowieso nicht. Also hin da!

 

Misanthropie

Menschen sind egoistisch. Sie sind gemein. Sie sind unfreundlich, unsympathisch und miesepetrig. Menschen verderben einem oft die Laune. Menschen sind unfähig in vielerlei Hinsicht. Menschen nerven. Sie machen Krach. Sie sind unachtsam. Viele Menschen sind nicht empathisch. Einige stinken sogar. Menschen sind dumm und viel schlimmer noch, sie machen dumme Sachen. Und reden dummes Zeug. Menschen haben keine Manieren. Sie töten, rauben und zerstören. Menschen glauben an alles und an gar nichts. Menschen lassen sich manipulieren. Sie haben keine Meinung. Sie haben keine Bedeutung. Oder sie haben keine Seele. Menschen verkaufen sich. Menschen sind verrückt. Menschen verletzen andere Menschen. Menschen sind Menschen. Ich hasse Menschen!

Für alle denen es ähnlich geht: Der Misanthrop ist im Shop erhältlich.

Ich glaube übrigens fest daran, dass alle die so denken und bereit wären, sich diesen Druck an die Wand zu hängen, die Menschen in Wahrheit lieben und einfach nur hin und wieder an dieser Liebe verzweifeln. So geht es zumindest mir.

Ersatzköpfe

Ich benutze total umweltfreundliche Spülbürsten aus Holz. Eigentlich benutze ich natürlich, noch umweltfreundlicher, eine Spülmaschine zum spülen. Mein Lieblings-Espresso-mit-Milch-Becher hat allerdings magische Kräfte, die den Espresso mit Milch noch besser schmecken lassen und deswegen muss ich ihn von Hand spülen. Täglich. Manchmal mehrmals. Dafür brauche ich also unter anderem diese total umweltfreundliche Spülbürste. Mit der schrubbe ich die Kaffeereste aus dem Becher. Um die Kaffeereste auch am untersten Rand wegzukriegen, muss Druck her. Dieser Druck führt allerdings dazu, dass die Naturborsten der Spülbürste nachgeben und irgendwann dauerhaft geknickt am Kopf der Bürste hängen. So lässt sich dann nicht mehr gut schrubben. Zum Glück lässt sich der Kopf meiner Bürste problemlos vom Stiel trennen und erneuern – ich sag ja, total umweltfreundlich meine Spülbürste. Neulich war es wieder soweit. Die Bürste brauchte einen neuen Kopf aus der Packung mit der Aufschrift: Ersatzköpfe. Und ich so: Boah! Jeder müsste eine Packung mit Ersatzköpfen haben. Und alle so: Yeah!

Ersatzköpfe für alle (ähm, nein. Nur für einige wenige, weil limitiert) gibt es im Shop.

Das ESOPUS Magazin

Und noch ein Bericht über den Inhalt meines Postkastens. Ich habe ein Faible für Gedrucktes. Für besonders gut gedrucktes ganz besonders. ESOPUS ist eine dieser besonders gut gemachten Drucksachen. Ein Magazin wie kein anderes. Ein Gesamtkunstwerk. Jedes Mal.

ESOPUS ist ein zweimal jährlich erscheinendes Magazin über Kunst, Kultur, Poesie und so viel mehr. Es enthält ausschließlich bisher unveröffentlichte Beiträge von Künstlern, Journalisten, Musikern und anderen Kreativen. Jeder kann mitmachen. Jeder kriegt 300 Dollar für eine Veröffentlichung. ESOPUS enthält keine Werbung! Kein einziges kleines Fitzelchen Werbung. Ein Magazin kostet zwischen 10 und 15 Euro. Esopus finanziert sich durch die ESOPUS Foundation. Jeder der etwas spendet, wird im nächsten Heft namentlich genannt. Egal ob 25.000 oder 5 Dollar. ESOPUS wird von Tod Lippy in New York herausgegeben. Die unterschiedlichen Beiträge werden auf unterschiedliche Papiersorten gedruckt. Mal dick und schwer, mal transparent, mal glänzend, mal matt. ESOPUS enthält immer Drucke zum heraustrennen, kleine Zettel, ausklappbare Seiten oder ähnliche Spielereien. Jeder Ausgabe liegt eine CD mit eigens für ESOPUS komponierten Liedern verschiedener Musiker zu einem bestimmten Thema bei. Klingt wie ein Traum. Ist es auch.

Gestern lag die 19. Ausgabe in meinem Postkasten. Und obwohl ich weiß, dass dieser Beitrag nur schlecht vermittelt wie toll dieses Magazin ist, weil ESOPUS mit allen Sinnen erlebt werden muss, möchte ich es euch nicht vorenthalten.

Die aktuelle ESOPUS ist die erste im Querformat. Der dazugehörige Schuber im Hochformat sorgt allerdings dafür, dass auch diese Ausgabe im Regal bei den anderen nicht aus dem Konzept fällt. Ich liebe mitdenkende Menschen ♥

Auf einer der ersten Seiten werden alle Spender namentlich genannt.

Ein an Zungen-, Hals- und Lungenkrebs erkrankter Mann führte während seiner 33-tägigen Strahlentherapie Tagebuch. Die Tage 18 – 23 wurden in ESOPUS abgedruckt. “Fundstücke” dieser Art sind oft im Magazin enthalten. Ein Dialog, ein Blick hinter etwas, Gedanken einzelner Menschen. ESOPUS spielt gerne mit solchen Inhalten und liefert damit mehr als “nur” Kunst.

Jede Ausgabe enthält einen Film in 100 Bildern. Ohne Worte.

Dies sind die Aufzeichnungen eines Regisseurs zu einem seiner Theaterstücke. Diese lose Zettelsammlung steckte in einer Art Sammelmappe auf der entsprechenden Seite. Es sind natürlich keine Originale, allerdings sehen sie fast so aus, denn das Papier ist nicht nur von vorne bedruckt. Die Rückseite ist zusätzlich so bedruckt, dass es den Anschein hat, als würde die Tinte der Vorderseite auf der Rückseite durchscheinen. Solche Details treiben mir Freudentränen in die Augen.

Ich entdeckte ESOPUS, als schon 6 Ausgaben erschienen waren. Die ersten 3 Ausgaben waren damals schon ausverkauft. Aufgrund des hohen Aufwands beim Druck erscheint ESOPUS immer limitiert. Es gibt also leider keine Möglichkeit die ersten Ausgaben zu erwerben. Mit der Zeit sind die Ausgaben 1 – 11 und 13 ausverkauft. Gebraucht findet man immer mal wieder einige Exemplare, die älteren Ausgaben allerdings nur zu einem sehr stolzen Preis. Nummer 3 gibt es immer mal wieder für 50 – 100 Euro. Nummer 2 habe ich ein einziges Mal bei Ebay für 412 Euro weggehen sehen. Die Nummer 1 habe ich noch nie irgendwo zum Verkauf gesehen. Sie muss ein wahrer Schatz sein. Auch wenn sie inhaltlich sicher nicht an ihre Nachfolger herankommt (auf der ESOPUS-Webseite kann im Archiv geblättert werden).

Wie schon gesagt, werden die Fotos der Detailverliebtheit dieses Magazins nicht gerecht. Ich hoffe allerdings trotzdem, dass ich dem ein oder anderen dieses tolle Magazin schmackhaft machen konnte. Es lohnt sich und es riecht immer so schön nach frischem Druck.

Es lebe der Print!

 

Halkyonische Tage

“Der von Kopf­weh ge­plag­te Fried­rich Nietz­sche ver­wen­de­te die Me­ta­pher im­mer dann, wenn die Hö­hen­luft der En­ga­di­ner Ber­ge sein Lei­den lin­der­te. Doch die Me­ta­pher geht be­wusst über den per­sön­li­chen Be­zug hin­aus. In der Brut­zeit des Eis­vo­gels (gr. Hal­kyon) zur Win­ter­son­nen­wen­de soll es süd­lich der Al­pen be­son­ders kalt, klar und wind­still sein. Auf der hier­in my­thisch be­schwo­re­nen Nord-Süd-Ach­se wer­den – schein­bar bei­läu­fig – die Mo­ti­ve ei­ner pan­the­is­ti­schen Er­in­ne­rung und ei­ner kli­ma­tisch rei­ni­gen­den Kul­tur­wan­de­rung wach, die mehr ver­spre­chen als nur die Ver­rin­ge­rung von Kopf­schmer­zen.”

Ich nutzte den Feiertag am letzten Donnerstag für einen Besuch der Kunsthalle Düsseldorf. Michael Kunze – Halkyonische Tage. Ein Titel der Erklärung bedarf. Nach der Erklärung (siehe oben) ein wirklich interessanter Titel. Allerdings muss ich gestehen, dass mich die wortreichen Beschreibungen von Ausstellungen oder der Kunst selber meist kalt lassen. Ich mache mir gern ein eigenes Bild. Und ob eine Ausstellung einen hintergründigen Titel hat oder nicht, entscheidet für mich nicht über die Wirkung. Trotzdem lese ich diese Texte jedes Mal. Vielleicht aus Angst davor einen wirklich guten Text zu verpassen?

Die Bilder von Michael Kunze sind beeindruckend. Die meisten sind sehr groß, was die Wirkung noch verstärkt. Sie sind mystisch, verschwommen, wirklich und unwirklich zugleich, sie fesseln die Augen, sind unheimlich und etwas beängstigend. Für mich sind sie alles andere als Tage der Ruhe, an denen der Kopfschmwerz nachlässt. Sie hinterlassen ein Summen in meinem Kopf. Die Bilder sind teilweise so erschreckend realistisch in ihrer Surrealität, dass ich Angst davor habe, was als nächstes passiert. Es stimmt, die Bilder sind ruhig. Sie sind aber nur ruhig, weil sie ein Standbild zeigen. Sie stecken in ihrer Ruhe so voller Bewegung, dass sie fast wabern. Wirklich unheimlich. Unheimlich gut. Aber unheimlich. Bisher haben noch keine anderen Bilder dieses spezielle Gefühl bei mir erzeugt.

Die Ausstellung ist noch bis zum 30. Juni in der Kunsthalle Düsseldorf zu sehen. Ich sage, es lohnt sich.

Making of … Geteilter Mensch

Falls sich jemand schon immer gefragt hat, wie denn eigentlich die Grafiken von Knallbraun entstehen, kann er heute endlich das Frage- mit einem Ausrufezeichen ersetzen. Denn (Trommelwirbel), ich habe fleißig Fotos bei der Arbeit geschossen, um den Entstehungsprozess meiner neuen Grafik zu zeigen.

Meistens nehme ich mir irgendein Blatt, dass gerade auf meinem Schreibtisch herumschwirrt und fange an zu scribbeln. Die ersten Skizzen sind noch ganz klein und dienen der Formfindung. Ich probiere verschiedene Stifte und Farben aus und wiederhole oft, ohne darüber nachzudenken, ein und die gleiche Figur.

Das mache ich so lange, bis eine bestimmte Figur oder Form sich herauskristallisiert. Hier ist es das lila Männchen in der Mitte des Blattes.

Ich fertige dann eine Vorlage in Originalgröße. Bei zweifarbigen Drucken scanne ich die Zeichnung ein, um am Computer zu simulieren, wo und wie sich die Farben überlagern sollen.

Auf zwei Linolplatten der gleichen Größe übertrage ich die Motive und fange an zu schnitzen. Die kleinen Gesichter waren wirklich kniffelig. So fein.

Da es bei dieser Grafik um Fleisch, Fleischqualität, Tierhaltung etc. geht, wollte ich ursprünglich auf Papier vom Metzger drucken. Dieses schöne rosa Papier, in das frisches Fleisch eingewickelt wird. Was ich dabei nicht bedacht habe: Das Papier ist gewachst, eignet sich also nur bedingt zum bedrucken. Stattdessen habe ich handgeschöpftes Kahari-Papier aus dem Himalaya verwendet. Die Farbe erinnert an Fleischwurst. Passt also auch schön.

So sieht der Druck nach dem ersten Druckgang aus. Das Papier lässt sich toll verarbeiten.

Ich lasse die Grafiken über Nacht trocknen bevor ich mit der zweiten Farbe weitermache.

Der fertige Druck kann in meinem Shop betrachtet und erworben werden.

Big Air Package

Ich muss zugeben, ich war skeptisch. Christo kommt erneut ins Gasometer. Ein mit Luft gefülltes, verschnürtes Paket. In einem Turm. Es ist Christo, also natürlich das größte mit Luft gefüllte, verschnürte Paket, das es je gab. Ich wusste ich würde hingehen. Ich wollte auch hingehen. Aber ich war skeptisch.

Nun war ich da und kann nur sagen: Wow! Es ist ein außerordentliches, mit Luft gefülltes, verschnürtes Paket. Über eine Luftschleuse (ich hatte mir bei Luftschleuse eine Art Prozedere mit spacigen Geräuschen vorgestellt, dass auf den Eintritt in ein ungewöhnliches Kunstwerk vorbereitet – es war allerdings nur eine Drehtür) geht es ins Innere der Skulptur. Noch ein paar Stufen hinauf und es ist tadaa. Das Weiß. Das es eine Skulptur ist, interessiert im Inneren nicht mehr. Es ist dieser weiße, riesige Raum der beeindruckt. 50 Meter im Durchmesser und 90 Meter hoch. Er erzeugt eine eigenartige Stimmung. Leider war Oberhausen bewölkt und verschneit, deswegen war das Dach des Gasometers nicht geöffnet. Ich möchte noch einmal im Sommer hin, bei strahlendem Sonnenschein und noch mehr Licht. Denn mit noch mehr Licht wird vermutlich auch das Weiß noch beeindruckender.

Zur Skulptur wurde das “Big Air Package” für mich erst, als ich es wieder verließ. Mit dem Fahrstuhl können in dem Raum zwischen Gasometer und Luftpaket ca. 100 Höhenmeter überwunden werden. Auf diese Weise sind die Ausmaße erst spürbar. Aus einem Fahrstuhl mit Glaswänden sind 100 Meter wirklich hoch!

In dem eigenartigen Licht des “Big Air Package” ist dieses Foto von fremden Beinen entstanden. Es erinnert mich extrem an das futuristische Gemälde von Giacomo Balla. Von diesem Bild hat meine Lehrerin im Kunstleistungskurs der 12. Klasse gesagt, es könne nach dem ersten Betrachten nie wieder vergessen werden. Hab ich es nicht vergessen, weil sie sagte, ich würde es nie mehr vergessen oder hatte sie einfach recht? Ich habe es zumindest nie wieder vergessen. Und nun  habe ich es auch noch aus Versehen nachgestellt. Wird daraus eine Verfolgung? Demnächst lege ich mir wohl einen Dackel zu. Oh je.

 

Ein Drittel Weiss

In Düsseldorf im KIT – Kunst im Tunnel – gibt es noch bis zum 20. Mai die Ausstellung “Ein Drittel Weiss” zu bestaunen. Sie behandelt das zeitgenössische Interesse am schwarz-weiss und so waren selbstverständlich alle ausgestellten Werke sehr unbunt.

Lange festgehalten hat mich die Arbeit “Cut-up 14” von Imi Knoebel. Vielleicht weil es soviel darin zu entdecken gibt – vielleicht weil ich Imi Knoebel und seine Arbeit sehr liebe. Ich sehe immer wieder diverse Buchstaben. Außerdem erinnert mich dieses Werk sehr stark an das Logo meiner Grundschule. Zum Einschulungsgespräch bekam ich eine Konturzeichnung des Logos, einen pinken Metallic-Bleistift mit Radiergummi hintendran (einen kleinen Rest dieses Bleistiftes besitze ich noch heute!) und ein paar Minuten Zeit um alle Zahlen und Buchstaben, die ich im Logo finden konnte, mit dem Bleistift auszumalen.

Außerdem haben mich die Fotografien von Jan Paul Evers besonders fasziniert. Fotografie ist hier vermutlich der falsche Ausdruck, denn bei Evers Arbeit handelt es sich um Silbergelatine-Bilder die einen vielschichtigen Entstehungsprozess durchlaufen haben. Durch das manuelle Bearbeiten der Bilder entstehen nicht reproduzierbare Unikate. Von weitem sind es graue Flächen verschiedener Helligkeit, von nahem mehr oder weniger stark gekörnte Nebelfelder. Der schwarze Schwan 1 + 2 von ihm gefiel mir am besten. Zwei nahezu identische, geometrisch, abstrakte Bilder, von denen eines um 180° gedreht aufgehängt wurde. Sie hingen nicht nebeneinander und es wurde mir erst spät bewusst, dass es sich um das gleiche Motiv handelt. Gehirn überlistet. Sowas mag ich. Es bringt mich zum Lächeln.

Neben der Kunst war aber auch das “Gebäude” sehr interessant. Es ist, wie der Name schon verrät, ein Tunnel. Er liegt zwischen den Tunnelröhren für den Autoverkehr am Rheinufer und bildet einen wirklich außergewöhnlichen, aber sehr passenden Raum für zeitgenössische Kunst.

Entschuldigt bitte die schlechte Bildqualität – Handyfotos.